Dr. med. Anya miller

Studiogespräch zu Lymphödem in rbb Praxis 18.1.17


Dr. Anya Miller, Hautärztin aus Berlin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie spricht über Ursachen für ein Lymphödem und Therapieansätze.

Dicke Arme und Beine: Therapien bei Lymphödem

Mit der Lymphflüssigkeit werden überflüssiges Eiweiß, Stoffwechselprodukte und Krankheitserreger aus dem Zellzwischenraum abtransportiert. Bevor diese in den Blutkreislauf fließen, passieren sie die Lymphknoten. Sie wirken wie ein Filter und reinigen die Lymphflüssigkeit von Schadstoffen und Krankheitserregern. Funktioniert dieses System nicht, staut sich die Lymphflüssigkeit – das Gewebe schwillt an. Die Schwellungen können unterschiedliche Ursachen haben, werden aber gleich behandelt. Die rbb Praxis erklärt, welche Therapien Linderung verschaffen.

Das Lymphsystem ist dem Herz-Kreislauf-System angeschlossen, bildet aber keinen geschlossen Kreislauf wie die Blutgefäße. Immer mehr Menschen sind hierzulande von Erkrankungen des Lymphsystems betroffen. Etwa zwei Prozent der hiesigen Bevölkerung leiden an einem erworbenen oder sekundären Lymphödem. Weitaus weniger Menschen sind von einem primären oder erblich bedingten Lymphödem betroffen.

Beim Lymphödem füllt sich tast- und sichtbar Wasser im Zwischenzellraum. Am häufigsten treten die Schwellungen an Armen und Beinen auf. Betroffen sind neben den 6 Extremitäten auch das Gesicht, der Hals, der Rumpf und die Genitalien. Die Diagnose stellen Ärzte durch das klinische Bild sowie per Ultraschall oder indirekte Lymphografie, ein Verfahren, bei dem der Patient jodhaltige oder radioaktive Substanzen gespritzt bekommt. Diese Flüssigkeiten werden mit der Gewebelymphe in die örtlichen Lymphbahnen und -knoten abtransportiert und machen das Lymphsystem dadurch sichtbar.

Das Lymphödem ist keine eigenständige Krankheit, sondern gehört vielmehr zum Erscheinungsbild verschiedener Erkrankungen. Es wird in vier Stadien eingeteilt und entsteht dann, wenn der Lymphtransport auf Grund von Fehlanlagen, genetischer Veranlagung, Krankheit, Verletzung oder Operation gestört ist.

Therapie oft nicht zufriedenstellend

Bestandteile der Therapie sind Lymphdrainage und Kompressionsbehandlung. Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Massagetechnik mit der das Lymphgewebe erweicht und die gestaute Lymphflüssigkeit in Richtung Bauch- und Brustraum befördert wird. Je nachdem, wie stark das Ödem ausgeprägt ist, findet sie bis zu 7 Mal in der Woche statt. Für die Kompressionsbehandlung werden die betroffenen Arme oder Beine mit Kompressionsbandagen umwickelt. Der äußere Druck unterstützt den Abtransport der Lymphflüssigkeit und damit den Abbau des Lymphstaus.

Bei einer sehr starken Fettgewebsvermehrung im Hüftbereich kann beim Lipödem eine Liposuktion (Fettabsaugung) durchgeführt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Lymphgefäße sekundär noch nicht miterkrankt sind. Dabei sollte man Spezialisten zu Rate ziehen und bei Unsicherheit eine zweite ärztliche Meinung einholen. In Deutschland operiert nur etwa eine Handvoll Kliniken das Lipödem wirklich

Nur bei einer konsequenten umfassenden Therapie, bestehend aussachgerecht.

  • manueller Lymphdrainage,
  • Kompression,
  • Bewegung, vor allem unter der Kompression,
  • einer regelmäßigen Hautpflege und
  • einer Anleitung zum Selbstmanagement

können die Betroffenen trotz Einschränkungen ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen.


Dieses Studiogesrpäch wurde am 13.01.2017 auf RBB ausgestrahlt.
https://www.rbb-online.de/rbbpraxis/archiv/20170118_2015/dicke-arme-dicke-beine-therapien-bei-lymphoedem.html



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